Die verschiedenen Essstörungen
Eine Essstörung ist eine Krankheit
Essstörungen können verschiedenste Ursachen haben
Du fühlst dich dick, bist es aber ganz und gar nicht? Auch deine Familie und Verwandten sprechen dich darauf an, dass du endlich mehr essen solltest? – Die Zahl der Mädchen mit einer Essstörung nimmt leider immer mehr zu. Meist ist das mangelnde Selbstbewusstsein, dass uns den Drang verleiht, unbedingt perfekt sein zu müssen. Man verfällt automatisch dem Drang, immer weniger zu essen und zugleich mehr und mehr Sport zu treiben. Wirklich keine gute Kombination. Oft empfinden Essgestörte es sogar als Lob und Anerkennung, wenn man auf seinen dünnen Körper angesprochen werden.
Eine Essstörung ist eine Krankheit, die erst mit der Industrialisierung und dem Wohlstand in die Haushalte eingezogen ist. Sicherlich gab es auch im Krieg und davor Störungen, die mit dem Essen und der Nahrungsaufnahme in Verbindung standen aber damals war das Essen knapp, und wenn etwas da war, wurde es auch meistens verspeist.
Heute sind die Regale in den Supermärkten voll mit Pizza, Pasta und Süßigkeiten. Man sollte also meinen, dass die Bevölkerung essen kann, was beliebt ist und sich freut, dass das Warenangebot so groß ist.
Und dennoch: vor allem viele junge Mädchen entwickeln eine Essstörung. Es sind auch Jungs betroffen, aber die Mädchen eifern noch eher den vermeintlichen Schönheitsidealen aus den Hochglanzmagazinen nach. Magermodells sind in und deren Schönheit symbolisiert Beliebtheit, Geld und Ruhm.
Anorexia Nervosa oder die Magersucht
Magersüchtige müssen sich streng kontrollieren, um ihr Gewicht immer weiter zu senken und weiter abzunehmen. Junge Mädchen, aber auch erwachsene Menschen, hungern, um sich schöner zu fühlen und die Macht über ihren Körper auszuleben. Manch Betroffener hungert auch, um sich selbst zu bestrafen.
Diese Essstörung ist psychisch bedingt und hat nichts damit zu tun, dass die Betroffenen zu dick wären. Bei ihnen ist es als wenn sie einen anderen Körper sähen wenn sie in den Spiegel gucken. Sie sehen nicht, wie dünn sie wirklich sind, sondern nehmen ihren Körper dicker und unschön wahr.
Manche Betroffenen dieser Essstörung hungern ausschließlich, andere erbrechen absichtlich, um Nahrung wieder los zu werden. Hierbei kann die Speiseröhre verletzt werden, da die Magensäure diese immer und immer wieder durchdringt und damit schädigt. Das Selbstwertgefühl der Betroffenen ist gering. Daher wird gehungert, auch dann, wenn dies oft Dinge wie Kopf- oder Magenschmerzen mit sich bringt. Auch eine Art Sportsucht wird hier beobachtet, bei der Betroffene versuchen, so viele Kalorien wie möglich zu verbrauchen. Die körperlichen Folgen der Magersucht sind fatal und reichen von einem schwachen Immunsystem bis hin zum Organversagen.
Bulimie – essen bis kurz vorm Platzen
Erkrankte dieser Essstörung können Normalgewicht, aber auch Übergewicht haben. Selten wird ein Untergewicht beobachtet. Bei Bulimie nehmen die Erkrankten in kurzer Zeit enorm viele Lebensmittel und sehr viele Kalorien zu sich. Diese Anfälle des Essens treten unterschiedlich häufig auf. Und weil danach das schlechte Gewissen folgt, erbrechen sich die Esser danach absichtlich. Finanziell kann diese psychische Störung ein großes Problem werden, da die Mengen an Nahrung teuer in der Anschaffung sind.
Bulimie ist eine Erkrankung, die von Verwandten und Freunden oft lange erfolgreich verschwiegen werden kann, ohne dass diese etwas mitbekommen.
Der Kontrollverlust der Fressanfälle ist für die Essstörung typisch und den Erkrankten meistens sehr unangenehm. Abführmittel spielen hier eine Rolle, ebenso wie bei der Magersucht. Wer nach eigenem Empfinden zu viel im Bauch hat, will dies schnell wieder los werden. Bulimie kann sich auch mit magersüchtigen Phasen abwechseln, so dass beide Krankheitsbilder ineinander übergehen.
BES – Binge Eating Disorder
Diese Essstörung ist gekennzeichnet durch eine unkontrollierte Nahrungszufuhr (viele Kalorien auf einmal) und das Merkmal, dass hier kein Erbrechen stattfindet. Das schlechte Gewissen folgt zwar auch hier meistens nach der Ess-Attacke aber die Nahrung wird normal verdaut. Der Kontrollverlust bei der Nahrungsaufnahme kann so weit führen, dass sogar das Sättigungsgefühl ausgeschaltet wird.
Die Anfälle des Essens werden auch hier nicht durch ein Hungergefühl ausgelöst. Viel mehr spielen psychische Gegebenheiten eine Rolle. Die Fressanfälle können durch Stress, Langeweile und ungelöste Konflikte ausgelöst werden.
Für jede Essstörung gilt: der Besuch eines guten Neurologen oder einer PIA (Psychiatrische Institutsambulanz) kann helfen und manchmal auch die Krankheit besiegen. Ebenso kann der Gang zum Psychologen eine große Erleichterung und Hilfestellung bedeuten.
Jede Essstörung gehört in Behandlung und manchmal ist hier auch ein stationärer Aufenthalt in einer Klinik notwendig, um im Alltag und bei den Mahlzeiten ausreichend Hilfe zu bekommen.
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